Hafen von
Gudhjem
Geschichte des Hafens reicht weit zurück, doch wann die ursprünglichen Anlegestellen durch einen eigentlichen Hafen ersetzt wurden, ist unbekannt.
Historischer Rückblick
Wann der Hafen von Gudhjem angelegt wurde, ist unbekannt. Auf Hammers Karte von 1755 und auf dem Katasterplan von Gudhjem aus dem Jahr 1861 ist kein Hafen eingezeichnet. Beide Karten zeigen lediglich natürliche Anlegestellen, an denen „Ladhammer“ und „Nordre Bryggeskæret“ als Landungsplätze für die Fischerboote dienten. Auch in Salchovs militärischer Beschreibung Bornholms von 1813–14 werden weder in Gudhjem noch in Melsted Häfen erwähnt.
Der Gudhjemer Fischer Peter Koch (1860–1952) erzählt in den Büchern „Det hvisker fra havet“ und „En Gudhjemfisker fortæller“ vom Leben in Gudhjem. Seiner Darstellung zufolge bestand der erste Wellenbrecher „aus Holzkästen, die mit Steinen gefüllt waren und etwa 1½ Meter über die Wasseroberfläche ragten“, wie auf seiner Zeichnung (unten) zu sehen ist.
Heute wird er „Søndre Brygge“ oder umgangssprachlich „bådahamn“ genannt. „Nordre Brygge wurde später aus größeren gespaltenen Steinen mit aufgeschraubter Latte gebaut.“
Als Christian V. im Zuge der Schwedenkriege 1684 die Festung auf Christiansø errichten ließ, wurden die Fischerdörfer Gudhjem und Melsted dazu verpflichtet, Transporte von und nach Christiansø durchzuführen. Diese Transporte dienten sowohl militärischen Zwecken als auch der allgemeinen Versorgung und dem Transport von Amtspersonen. Außerdem mussten die Fischerdörfer Post und Geldtransporte übernehmen – im Gegenzug erhielten Gudhjem und Melsted gewisse Steuervergünstigungen.
Es ist daher wahrscheinlich, dass diese königlichen Transporte dazu führten, dass Nordre Brygge bereits früh mit kaiähnlichen Einrichtungen versehen wurde, um das Be- und Entladen zu erleichtern.
Bei der Volkszählung von 1787 gab es unter den örtlichen Einwohnern drei Bootsführer und sechs Fischer/Hilfsarbeiter, die offiziell für die notwendigen Transporte verantwortlich waren, obwohl die Fischer dafür zeitweise ihre eigene Arbeit zurückstellen mussten.
Bei der Volkszählung von 1801 gab es niemanden mehr mit diesen Berufsbezeichnungen. Dies kann als Ausdruck der abnehmenden militärischen Bedeutung der Festung gesehen werden. Im Zusammenhang mit den Englandkriegen von 1807–1814 erlebte die Festung jedoch noch einmal einen kurzen Aufschwung.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam Gudhjem mit dem alten Hafen mit seinem Holzanleger und den zahlreichen natürlichen Schärenhäfen aus. Im Nordwesten lagen „Holkara-hamn“ und „Petersa-hamn“ (Peters Hafen), und im Norden befanden sich „Klausa-hamn“ (Klauses Hafen), „Ladhammer“ bei den Blegeklipperne, „Sander Larsens hamn“ sowie weitere Anlegestellen bei „Norresan“ (Nørresand). Im Winter wurden die Boote an den Kies- und Sandstrand gezogen.
Hafenerweiterungen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg der Bedarf an einem größeren Hafen. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich von 1801 bis 1860 aufgrund des Zuzugs von Christiansø nach Gudhjem. Gleichzeitig stieg die Zahl der Fischer von 44 auf 78, entsprechend der allgemeinen Entwicklung des Fischereigewerbes, in dem große Mengen Hering sowohl vor Ort als auch in Kopenhagen frisch oder geräuchert verkauft wurden.
Nach Peter Koch erhielt Gudhjems neuer Hafen im Sommer 1972 eine Slipanlage und eine neue Kaimauer zum Land hin, die den alten Kies- und Sandstrand ersetzte. Gleichzeitig wurde der Hafen vertieft. Bereits im November wurde der Hafen jedoch durch die Sturmflut zerstört und musste anschließend repariert werden.
Der Bedarf an einem besseren Hafen entstand mit der Gründung der Det Østbornholmske Dampskibsselskab im Jahr 1876. Das erste ostbornholmer Dampfschiff, die „Erna“, legte 1877 an der Nordre Brygge an. Aufgrund des großen Erfolgs der Gesellschaft wurde beschlossen, den Hafen durch umfangreiche Bauarbeiten in den Jahren 1883–85 zu vertiefen und zu erweitern, sodass er nahezu seine heutige Größe erhielt.
1935 wurde der Hafen erneut vertieft und gleichzeitig der Außenhafen vergrößert, damit die inzwischen großen ostbornholmer Dampfer S/S Østbornholm und S/S Nordbornholm anlegen konnten. Sowohl bei der Erweiterung 1883–85 als auch bei der Vertiefung 1935 wurde der abgesprengte Granit in die Felsbereiche bei „Ladhammer“ und „Holkara-hamn“ eingebracht. Dadurch wurde die Hafenfläche vergrößert – zunächst für die Arbeit der Fischer und später für den großen Parkplatz.
Damit gingen für die Nachwelt die sehr großen und natürlichen Schärenbereiche am Hafen verloren.

Foto: Das Gebiet bei der Holkara-Klippe wurde als Netzplatz genutzt, wo die Netze ausgebreitet und getrocknet wurden. Später wurde das Gelände im Zuge der Hafenarbeiten von 1935 eingeebnet und zum großen Parkplatz. Rechts ist Maans Pærs Huz zu sehen, das dort noch heute steht.
Viele weitere Fotos vom Hafen von Gudhjem finden Sie im digitalen Fotoarchiv.
DER HAFEN VON GUDHJEM HEUTE
Heute ist der Hafen noch immer Ausgangspunkt für die Schifffahrt nach Christiansø. Post und Güter werden das ganze Jahr über mit dem Postboot Peter befördert, während die M/S Ertholm den Passagierverkehr von Ostern bis in den Oktober übernimmt.
Abgesehen vom Fährverkehr werden die Hafenbecken heute jedoch von Ausflugsbooten, Freizeitsegelern und Hobbyfischern genutzt. Im Sommer liegen die Segelboote dicht an dicht, und die Flächen an Land werden für Erholungszwecke genutzt.
